Du bist, was (und wo) du isst - Quecksilberkontamination bedroht Polarfüchse
Polarfüchse (Vulpes lagopus) mit unterschiedlichen Fellzuständen. | Foto: N. Bocharova/IZW
IZW – 06.05.2013:

Du bist, was (und wo) du isst - Quecksilberkontamination bedroht Polarfüchse

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Polarfüchse gefährliche Quecksilbermengen im Körper akkumulieren, wenn sie in küstennahen Gebieten leben und sich von im und am Meer lebender Beute ernähren. ForscherInnen des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), der Moscow State University und der University of Iceland veröffentlichten ihre Ergebnisse im wissenschaftlichen Online-Journal PLOS ONE.

Quecksilber wird in der Regel entlang der Nahrungskette übertragen. Das internationale Forscherteam untersuchte die Hauptnahrungsquellen von Polarfüchsen und ermittelte die in der Beute vorhandenen Quecksilberkonzentrationen.

Das Team verglich drei Fuchspopulationen in verschiedenen Umgebungen. Die Polarfüchse auf der kleinen russischen Kommandeurinsel Mednyi ernährten sich fast ausschließlich von Meeresvögeln und nur selten von Robbenkadavern. Die Hauptnahrungsquelle der an den Küsten Islands lebenden Polarfüchse waren Meeresvögel. Polarfüchse, die weit weg von der Küste im Zentrum von Island lebten, ernährten sich von Nagetieren.

In den drei Gebieten traten unterschiedliche Mengen an Quecksilber in den Beutetieren auf. Die WissenschaftlerInnen fanden sehr hohe Quecksilberwerte sowohl in Meeresvögeln als auch in Robben. Polarfüchse in küstennahen Regionen von Island und auf Mednyi wiesen sehr hohe Quecksilberkonzentrationen in ihren Körpern auf.

Die im Landesinnern von Island lebende Population des Polarfuchses hatte sehr niedrige Quecksilbermengen im Körper. Demzufolge half ihr Lebensraum im Inselzentrum und der Verzehr von Nagetieren,  dass  die Polarfüchse vor einer hohen Quecksilberbelastung geschützt waren.

Was bedeutet das für die Polarfüchse? Zu hohe Quecksilberkonzentrationen können negative Auswirkungen auf Gesundheit und Populationsentwicklung haben. Mittels Hautproben von Polarfüchsen von den Kommandeurinseln, die als Bestände in Museen vorhanden waren, konnten die ForscherInnen zeigen, dass die Polarfüchse auf Mednyi schon seit langer Zeit unter einer Belastung durch Quecksilber litten. Die Polarfüchse auf der kleinen Insel Mednyi haben keine Alternative zu quecksilberhaltigen Nahrungsquellen. Sie erlitten phasenweise einen enormen Populationsrückgang und obwohl die Populationsgröße zurzeit stabil ist, ist sie sehr klein. Insbesondere junge Polarfüchse leiden unter einer hohen Sterblichkeitsrate. Die gesamte Population ist durch ein geringes Körpergewicht gekennzeichnet; ihr Fell befindet sich in einem schlechten Zustand.

„Als wir mit diesem Projekt begannen, dachten wir, dass ein neuer Krankheitserreger den schlechten Zustand der Polarfüchse und die hohe Sterblichkeit erklären würde, aber nach umfangreichem Screening fanden wir nichts dergleichen “, sagt IZW Forscher Alex Greenwood, Leiter der Studie. Stattdessen begannen die ForscherInnen zu vermuten, dass etwas anderes die schlechte Verfassung der Polarfuchspopulation verursachte. „Wenn Krankheitserreger nicht die Ursache waren, konnten es vielleicht Schadstoffe sein. Wir vermuteten Quecksilber, da es in hoher Konzentration bereits in anderen arktischen Wirbeltieren aufgetreten war und es bekannt ist, dass Quecksilbervergiftungen die Sterblichkeit von Säugetieren erhöht. Da Quecksilber negative Auswirkungen auf das gesamte Gesundheitssystem und insbesondere auf Jungtiere haben kann, wollten wir herausfinden, ob die Quecksilberbelastung abhängig von der Nahrungsökologie ist und daher der entscheidende Faktor für den Rückgang der Populationsgröße auf Mednyi sein könnte“, kommentiert Gabriele Treu vom IZW.

Es zeigte sich, dass hohe Quecksilberkonzentrationen einen engen Zusammenhang mit der Nahrungsökologie und der geographischen Verbreitung von Polarfüchsen haben.

Um langfristig die Gesundheit und die Populationen aller an Nahrungsketten im nördlichen Polarkreis beteiligten Karnivoren zu gewährleisten, muss die weitere Quecksilberverschmutzung gestoppt werden.

Publikation

Bocharova N, Treu G,  Czirják GÁ, Krone O, Stefanski V, Wibbelt G, Unnsteinsdóttir ER, Hersteinsson P, Schares G, Doronina L, Goltsman M, Greenwood AD (2013): Correlates between feeding ecology and mercury levels in historical and modern arctic foxes (Vulpes lagopus). PLOS ONE 8(5): e60879. doi:10.1371/journal.pone.0060879
http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0060879

Kontakt

Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)
Gabor Á Czirják; (030) 51 68 214; czirjak@izw-berlin.de
Alex Greenwood: (030) 51 68 511; greenwood@izw-berlin.de
Steven Seet; (0177) 857 26 73; seet@izw-berlin.de
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