Weißt du, wie viel Sternlein stehen? – Neue App misst Himmelshelligkeit
Nicht nur der schöne Sternenhimmel geht durch die Lichtverschmutzung verloren, sondern die natürliche Dunkelheit ist auch wichtig für Ökosysteme und Gesundheit. | Foto: Jeremy Stanley
IGB – 29.04.2013:

Weißt du, wie viel Sternlein stehen? – Neue App misst Himmelshelligkeit

Wissenschaftler des Projektes „Verlust der Nacht“ haben eine App für Android Smart Phones entwickelt, mit deren Hilfe die Anzahl der Sterne am Himmel gezählt werden kann. Diese Daten wollen Wissenschaftler nutzen, um die weltweite Lichtverschmutzung besser zu verstehen.

„In natürlichen Gegenden kann man mit dem bloßen Auge Tausende von Sternen sehen“ sagt Dr. Christopher Kyba von der Freien Universität Berlin und vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). „Am Nachthimmel von Berlin sind es immer noch einige Hundert, aber in den meisten Großstädten ist die Situation viel schlimmer.“

Die Smartphone-App soll dabei helfen, weltweit die Himmelshelligkeit zu beschreiben, den sogenannten Skyglow. Sie baut auf das Citizen Science Projekt „GLOBE at Night“ auf, in dem Menschen auf der ganzen Welt die Himmelshelligkeit bestimmen und als Kriterium dafür die Sichtbarkeit der Sterne heranziehen. Daraus entstehen Karten, die die Helligkeitsverteilung und ihre Entwicklung über die Jahre zeigen. Die Daten stehen aber auch anderen Wissenschaftlern zur Verfügung, um mögliche Zusammenhänge mit Gesundheit, Biodiversität, Energieverbrauch und vielen anderen Faktoren zu untersuchen.

Die App leitet den Nutzer zu bestimmten Sternen und fragt ihn nach deren Sichtbarkeit. Durch Bestimmung des lichtschwächsten Sternes können die Wissenschaftler ermitteln, wie hell der Himmel an diesem Ort ist und wie viele Sterne gesehen werden können.

„Das Leben auf der Erde ist evolutiv angepasst an den Wechsel zwischen hellen Tagen und dunklen Nächten“, sagt Dr. Annette Krop-Benesch vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). „Die Erhellung der Atmosphäre durch künstliches Licht bei Nacht kann weitreichende Auswirkungen auf die Ökosysteme weltweit und möglicherweise auch unsere Gesundheit haben. Bisher wissen wir aber viel zu wenig über die nächtliche Helligkeit in den unterschiedlichen Lebensräumen.“
„Mit der App können interessierte Menschen auf der ganzen Welt Daten für die Forschung über Skyglow sammeln, ohne teure Messgeräte zu benötigen“, sagt Fabian Kohler vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, das das Projekt finanziell unterstützt. So kann jeder Smartphone-Besitzer zum Erfolg des Projekts beitragen. Man kann aber auch die Helligkeit am eignen Wohnort mit anderen Orten vergleichen. Nebenbei lernt der Nutzer den Sternenhimmel kennen und bekommt ein Gefühl dafür, wie viele Sterne er an einem dunkleren Ort noch sehen könnte.

Die App wurde zusammen mit der Firma Cosalux (Offenbach am Main) basierend auf Google Sky Map entwickelt. Eine App für Apple-Geräte ist in Planung.

Bisher wurde nächtliche Helligkeit hauptsächlich über Satelliten gemessen, aber diese messen das nach oben abgestrahlte Licht, nicht die Helligkeit, die am Boden von Menschen und anderen Organsimen erlebt wird. Aussagen darüber werden in Modellen berechnet, doch um diese zu testen sind Vergleichsdaten nötig – und genau solche werden mit der App gesammelt. Heutige Satellitentechnologie ist auch noch nicht ausgereift genug, um Lichtintensitäten zu verstehen. So liegt ein Großteil des Lichts aus LED-Straßenlampen beispielweise in einem Spektralbereich, den die Satelliten nicht wahrnehmen. LED-beleuchtete Gebiete erscheinen dadurch dunkler, als sie wirklich sind.

Die App „Verlust der Nacht“ kann kostenlos heruntergeladen werden:
https://play.google.com/store/apps/details?id=com.cosalux.welovestars.

Screenshots: Cosalux GmbH

Verlust der Nacht - App, Bild 2, deutsch

 

Verlust der Nacht - App, Bild 1, deutsch

Weitere Informationen

www.verlustdernacht.de
www.GLOBEatNight.org
www.youtube.com/watch?v=0wNM0LycVYs – 3-Minuten-Vortrag über Citizen Science von Christopher Kyba

Kontakt

Dr. Christopher Kyba, Freie Universität Berlin / Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Telefon: 030 / 838-71140
E-Mail: christopher.kyba@wew.fu-berlin.de
Dr. Annette Krop-Benesch, Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Telefon: 030 / 64 181 909
mobil: 0151 64937117
E-Mail: krop-benesch@igb-berlin.de

 

Artikelaktionen