Pressemitteilung | IZW | 01-07-2019

Bürgerforscher als Mückenjäger: Mit Hilfe der Blutsauger die Artenvielfalt in Berlin und Brandenburg erforschen

Das Berlin-Brandenburgische Institut für Biodiversitätsforschung (BBIB), ein Zusammenschluss von Forschungseinrichtungen mit Beteiligung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW), untersucht den Einfluss der Verstädterung auf die Artenvielfalt in der Hauptstadtregion. Zu diesem Zwecke sucht das BBIB Freiwillige, die in ausgewählten Gebieten in zwei Zeiträumen Mücken sammeln zwischen Juli und September.

Das von Mücken eingesaugte Blut erlaubt Rückschlüsse auf die Artenvielfalt. | Bild: Camila Mazzoni/IZW

Das Berlin-Brandenburgische Institut für Biodiversitätsforschung (BBIB), ein Zusammenschluss von Forschungseinrichtungen mit Beteiligung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW), untersucht den Einfluss der Verstädterung auf die Artenvielfalt in der Hauptstadtregion. Zu diesem Zwecke hat ein Forscherteam am Leibniz-IZW nun einen Ansatz für das Monitoring und die Kartierung der Tierwelt in und um Berlin getestet: die molekularbiologische Untersuchung des von weiblichen Stechmücken eingesaugten Bluts. Nach erfolgreichem Test sucht das BBIB nun Freiwillige, die in ausgewählten Gebieten in zwei Zeiträumen Mücken sammeln zwischen Juli und September. Anmeldeschluss für die erste Sammelgruppe ist der 15. Juli 2019, für die zweite der 10. August 2019.

Die Vorstudie für die „Mückenmethode“ wurde von Dr. Camila Mazzoni am Leibniz-IZW durchgeführt. „Das Blut, das weibliche Stechmücken einsaugen, kann man mit molekularbiologischen Methoden untersuchen und so herausfinden, an welchen ‚tierischen Opfern‘ die Mücken gesaugt haben“, so Mazzoni. „In der Vorstudie konnten wir aus acht verschiedenen Mückenarten schon fünf verschiedene „Opfer“ bestimmen: Rotwild, Damwild, Wildschwein, Fuchs und Amsel. Die Methode ist außerdem nicht-invasiv, weil die Mücken die Blutproben meist unbemerkt nehmen. Im Vergleich zu gängigen Methoden zur Biodiversitätsbestimmung wie Sichtungsmeldungen oder Kamerafallen-Fotos kann diese Methode mehr als „nur“ zur Artbestimmung beitragen: Die von den Mücken genommenen Blutproben kann man für genetische Analysen nutzen. Die Vorstudie zeigte auch, dass die verschiedenen Mückenarten sehr wählerisch in der Vorliebe ihrer Opfer sind und nach der Nahrungsaufnahme (dem Blutmahl) in der Nähe ihrer Opfer bleiben – wichtige Voraussetzungen für die Bestimmung der Artenzusammensetzung eines Ortes.

Damit dieser Ansatz des Biodiversitätsmonitorings erfolgreich ist, ist es wichtig, so viele vollgesaugte Mücken wie möglich in verschiedenen Regionen in grünen und bewaldeten Gegenden von Berlin zu fangen. Dafür sucht das Forscherteam im Sommer für zwei Zeiträume von 3-4 Wochen zwei Gruppen von Freiwilligen, die während ihrer Spaziergänge in Wäldern und Parks in von uns vorher ausgewählten Gegenden Mücken sammeln (Details zu den Sammelzeiträumen und Anmeldefristen s.u.). Die Bürgerforscher werden mit einem Netz Mücken aus den Bäumen schütteln, schauen, welche von ihnen Blut gesaugt haben (das kann man am Hinterleib erkennen), diese einsammeln und aufbewahren. Alle Mückenjäger bekommen dafür eine Ausrüstung, die sie am Ende des Projektes zusammen mit den gefrorenen Mücken wieder zurückgeben.

Sind Sie interessiert und möchten das Projekt unterstützen? Dann laden wir Sie nach erfolgter Anmeldung unter mueckenjaegerizw-berlin.de zu einem Workshop ein, in dem Sie mehr erfahren und wir Ihnen zeigen, wie man Mücken fängt und aufbewahrt.

Mückenjäger Gruppe 1:

  • Anmeldeschluss 15. Juli 2019
  • Workshop: Samstag, 20. Juli, 10 - 12 Uhr im Botanischen Garten Berlin (freier Eintritt)
  • Sammelzeitraum: 20. Juli bis 15. August, mindestens zwei Besuche zu jedem festgelegten Ort.

Mückenjäger Gruppe 2:

  • Anmeldeschluss 10. August 2019
  • Workshop: Freitag, 16. August, 17:30 – 19:30 Uhr oder Samstag, 17. August, 10 – 12 Uhr (Datum wird durch Abstimmung der Freiwilligen bestimmt) im Botanischen Garten Berlin (freier Eintritt)

Sammelzeitraum: 17. August bis 15. September, mindestens zwei Besuche zu jedem festgelegten Ort.

Das Berlin-Brandenburgische Institut für Biodiversitätsforschung (BBIB) ist ein Konsortium von universitären und außeruniversitären Einrichtungen in Berlin/ Brandenburg, die zur Biodiversität forschen. Das in diesem Rahmen angesiedelte Projekt BIBS (Bridging in Biodiversity Research) wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Kontakt

Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) im Forschungsverbund Berlin e.V.

Philipp Clausnitzer
Ansprechpartner Projekt Mückenjäger
E-Mail mueckenjaegerizw-berlin.de

Sarah Kiefer
Citizen Science-Koordinatorin für BIBS (BBIB)
E-Mail kieferizw-berlin.de
Tel. 030 5168-128

Camila Mazzoni
Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Evolutionsgenetik
E-Mail mazzoniizw-berlin.de

Jan Zwilling
Projektmanagement und Leiter der Wissenschaftskommunikation
E-Mail zwillingizw-berlin.de
Tel. 030 5168-125