Pressemitteilung | IGB | 09-06-2020

Parasitäre Pilze halten schädliche Blaualgen in Schach

Wenn im Sommer der Badesee von grünen Schlieren durchzogen ist, sind häufig Cyanobakterien im Spiel.

Blaualgenblüte in einem See im Sommer. | Foto: Angelina Tittmann, IGB

Massen von Cyanobakterien, auch Blaualgen genannt, sind schlecht für die Wasserqualität, da sie dem Gewässer Sauerstoff entziehen und Giftstoffe bilden können. Cyanobakterien können selbst erkranken, beispielsweise durch Pilzparasiten. Ein Pilzbefall tötet die Cyanobakterien nicht nur ab, sondern macht sie auch leichter verdaulich für ihre natürlichen Fressfeinde, fanden Forschende vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) heraus. Die Pilzparasiten helfen also, das Wachstum von Blaualgen einzudämmen.

Blaualgenblüten sind ein zunehmendes Problem in Gewässern weltweit: Höhere Temperaturen im Klimawandel und Nährstoffbelastungen führen zu einem übermäßigem Wachstum von Cyanobakterien. Diese Massenentwicklungen beeinträchtigen die Wasserqualität, weil einige Cyanobakterienarten Giftstoffe bilden und die Sauerstoffkonzentration im Wasser verringern, was zum Tod von Fischen und anderen Wasserorganismen führen kann.

Das Algenwachstum kann jedoch durch einen Parasitenbefall mit Pilzen natürlicherweise reguliert werden, fand ein internationales Team unter Leitung des IGB heraus. „Viele Blaualgenarten sind lang und fadenförmig oder wachsen in Kolonien, was es ihren natürlichen Fressfeinden erschwert, sie zu fressen“, erklärt Dr. Thijs Frenken. Der Erstautor der Studie ist Forscher am IGB und an der University of Windsor in Kanada. Chytridpilze, eine sehr häufige Pilzgruppe, infizieren Cyanobakterien. Die Forschenden zeigten, dass die Pilze Cyanobakterien nicht nur abtöten, sondern diese auch in kürzere Stücke „zerhacken", sodass sie von kleinen Lebewesen im Wasser leichter gefressen werden können. „Uns war klar, dass Chytridpilze das Wachstum von Cyanobakterien reduzieren können. Jetzt wissen wir, dass sie sie auch zu leichter Beute machen“, sagt IGB-Forscher Dr. Ramsy Agha, Leiter der Studie.

Pilze als Nahrungsergänzungsmittel für Zooplankton

Die Forschenden zeigten außerdem, dass die parasitären Pilze selbst eine wertvolle Nahrungsergänzung für die Kleinstlebewesen im Gewässer sind. Chytridpilze enthalten verschiedene Fette und Öle, die ein wichtiger Bestandteil der Nahrung des Zooplanktons im Süßwasser sind und die in den Blaualgen nicht vorkommen. Parasitäre Pilze dienen daher als wichtige ernährungsphysiologische Verbindung zwischen verschiedenen Ebenen der aquatischen Nahrungsnetze.

Parasiten können also auch positive Wirkungen für aquatische Ökosysteme haben. „Die Vielfalt an Organismen und deren Zusammenspiel ist es, was funktionierende Ökosysteme ausmacht“, resümiert Professorin Justyna Wolinska, Leiterin der IGB-Forschungsgruppe Evolutionsökologie von Krankheiten.

Publikation

Open Access in der Fachzeitschrift Limnology and Oceanography
T. Frenken, J. Wolinska, Y. Tao, T. Rohrlack, R. Agha (2020). Infection of filamentous phytoplankton by fungal parasites enhance herbivory in pelagic food webs.
Limnology and Oceanography. DOI:10.1002/lno.11474

Kontakt

Dr. Ramsy Agha
Abteilung Ökosystemforschung
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Tel. 030 64181-687
E-Mail agha@igb-berlin.de

IGB-Pressestelle
Tel. 030 64181-975
E-Mail pr@igb-berlin.de