Interview | WIAS | 14-07-2020

Brücken bauen

Interview mit Prof. Dr. Michael Hintermüller, Vorstandssprecher des FVB, Direktor des Weierstraß-Instituts für Angewandte Analysis und Stochastik und einer der vier Gründungskoordinatoren von BR50

Prof. Dr. Michael Hintermüller | Foto: WIAS

Mit der Berlin Research 50 (BR50) haben sich die außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Berlin zusammengeschlossen. Sie sind Sprecher der Unit „Technik- und Ingenieurwissenschaften“. Was erhoffen Sie sich von dieser Initiative?

Die Motivation für BR50 war die Frage, ob und wie sich die außeruniversitäre Forschung im Berliner Raum organisieren soll. Es gab verschiedene Vorbereitungstreffen wie das vom FVB initiierte Kamingespräch in Adlershof im Dezember letzten Jahres, an dem eine größere Gruppe von Institutionen teilgenommen hat. Dort hat sich der Geist entwickelt, dass wir uns forschungs- und wissenschaftspolitisch sowie für interdisziplinäre Forschungsaktivitäten verbinden möchten. Es geht also weniger um klassisch disziplinäre Forschungsaufgaben als um übergreifende, verbindende Themen. Die Pandemie zeigt zum Beispiel deutlich, wie wichtig Interdisziplinarität in der Wissenschaft ist, denn die jetzige Krise muss übergreifend verstanden werden – vom pandemischen über den soziologischen bis hin zum ökonomischen Kontext. Dies erfordert ganzheitliche Ansätze. Bei BR50 sollen solche Themen in den „Interest Groups“ diskutiert werden. Grundsätzlich möchten wir BR50 sehr frei gestalten. Es sollen für die beteiligten Einrichtungen keine weiteren Verpflichtungen, sondern neue Möglichkeiten entstehen.

BR50 wurde erst im Februar gegründet, spielt aber bereits als Stimme der Außeruniversitären in Berlin eine wichtige Rolle.

Ja, BR50 wird in die regelmäßige Pandemie-Taskforce der Senatskanzlei Wissenschaft und Forschung einbezogen und ist somit eine wichtige Ansprechinstitution. Wir weisen auf Probleme hin und stellen sicher, dass der außeruniversitäre Forschungsbereich mitgedacht wird, wie bei der Unterstützung von besonders betroffenen Personen durch Kita- und Schulschließungen oder durch Sonderregelungen für Forschende.

BR50 wird von vielen als Gegenüber zur Berlin University Alliance (BUA) verstanden. Wie wird BR50 mit der BUA zusammenarbeiten?

BR50 wurde nicht als Pendant zur BUA gegründet. Die BUA hat sich für die gemeinsame Bewerbung im Rahmen der Exzellenzstrategie zusammengefunden – und dies sehr erfolgreich; BR50 hat sich auf Eigeninitiative der Außeruniversitären gegründet.  

Die BUA wird für uns ein wichtiger Ansprechpartner für größere Themen sein, wie gemeinsame Berufungen oder übergreifende Projektanträge. Auch bei der Bearbeitung der globalen Herausforderungen – Grand Challenges –, denen sich die BUA verschrieben hat, spielt die außeruniversitäre Forschung eine wichtige Rolle. Das gemeinsame Ziel ist es, Berlin als internationale Wissenschaftsmetropole zu stärken.

Wie sehen Sie grundsätzlich die Rolle von Verbünden?

Verbünde müssen einen deutlichen Mehrwert schaffen. Beim Exzellenzcluster Math+, bei dem ich Co-Sprecher bin, ist der Verbund disziplinär ausgerichtet, beim FVB geht es hingegen um eine gemeinsame Verwaltung, die die Institute bestmöglich fördert. Der Mehrwert ist dabei unterschiedlich, aber in beiden Fällen ist er deutlich gegeben. Bei BR50 ist es noch einmal anders – dort geht es über das Disziplinäre bis hin zum Wissenschaftspolitischen. Man muss investieren in Verbünde, aber wenn die breite Gruppe mitzieht, gibt es einen „return of investment“. Eine Gruppe ist robuster, alleine ist man agiler – der Kunstgriff ist dabei, im Verbund beides zu bekommen.

Das Interview führten Anja Wirsing und Gesine Wiemer.