Pressemitteilung | IGB | 07-04-2015

Kleine Unterschiede, große Wirkung

Tierische Einwanderer profitieren von Größenunterschieden innerhalb ihrer Art. Körperliche Variabilität innerhalb einer Art ist einer Studie zufolge ein Wettbewerbsvorteil im Kampf um neue Lebensräume.

Kleine Unterschiede, große Wirkung

BU unter der Pressemitteilung.|© Héctor Garrido (Estación Biológica de Doñana, CSIC)

 

Tierische Einwanderer profitieren von Größenunterschieden innerhalb ihrer Art

Körperliche Variabilität innerhalb einer Art ist einer Studie zufolge ein Wettbewerbsvorteil im Kampf um neue Lebensräume. Dies fanden Wissenschaftler des Instituts Estación Biológica de Doñana (Spanien), der Universität Fribourg (Schweiz), der Technischen Universität München und der Freien Universität Berlin sowie des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) heraus. Im Rahmen ihrer Untersuchungen analysierten die Forscher globale Datensätze zu Säugetieren, die durch den Menschen in Lebensräume außerhalb ihrer natürlichen Verbreitungsgebiete gelangten. Dabei stellten sie fest, dass sich Arten mit verschiedenen, individuellen Ausprägungen der Körpergröße dort besonders oft etablierten. Veröffentlicht wurde die Studie in der Fachzeitschrift „The American Naturalist“.

„Die Erkenntnisse könnten helfen, Invasionen im Tierreich besser zu verstehen und vorherzusagen“, sagt Prof. Dr. Jonathan Jeschke, der am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei und an der Freien Universität Berlin zu diesem Thema forscht. Damit ließen sich zum einen Schäden durch invasive Arten verringern. Zum anderen könnten Populationsdynamiken besser verstanden und auch Maßnahmen zur Wiedereinbürgerung bedrohter Arten unterstützt werden.

Invasive Arten verursachen Schäden in Milliardenhöhe

Über die globalen Handels- und Verkehrsströme gelangen Tiere und Pflanzen immer wieder in Regionen, in denen sie nicht heimisch sind. Während viele dieser Arten wieder verschwinden, gelingt es manchen, Populationen aufzubauen und sich auszubreiten. Einige dieser sogenannten invasiven Arten vermehren sich so stark, dass sie erhebliche wirtschaftliche und ökologische Schäden verursachen. Gleichzeitig verdrängen die Tiere heimische Arten. Auch Europa ist bei tierischen Einwanderern beliebt: Hierzulande sind etwa 13.000 invasive Arten bekannt, die Schäden von mehr als zwölf Milliarden Euro pro Jahr verursachen.

Tierische Einwanderer profitieren von innerartlichen Unterschieden

Seit langer Zeit suchen Wissenschaftler deshalb nach Merkmalen, die erfolgreiche Eindringlinge charakterisieren. Dabei vergleichen sie normalerweise die durchschnittlichen Merkmale invasiver mit den entsprechenden Merkmalen nicht-invasiver Arten. „Dies greift aber zu kurz“, erklärt Prof. Dr. Jonathan Jeschke, „es kommt auch auf die Unterschiede innerhalb einer Art an“. Je größer diese sind, desto besser seien die Überlebenschancen, wenn die Tiere einer neuen Umgebung ausgesetzt werden. „Das liegt daran, dass sich variable Arten leichter an verschiedenste Umweltbedingungen anpassen können“, erklärt Dr. Sven Bacher von der Universität Fribourg. Innerartliche Unterschiede wirkten sich positiv auf die Populationsdynamik aus und machten invasive Arten somit erfolgreich.

Tatsächlich stellten die Wissenschaftler in ihren Untersuchungen fest, dass sich Arten mit verschiedenen, individuellen Ausprägungen der Körpergröße besonders oft etablieren konnten. „Vor allem die Variationen bei ausgewachsenen Tieren scheint einen positiven Effekt zu haben“, sagen Bacher und Jeschke. „Dabei führen aber nicht alle Unterschiede zwangsläufig zum Erfolg“, räumen beide ein. Variationen, die die Fitness von Tieren einschränkten, hätten vielmehr den gegenteiligen Effekt.

Publikation:
Manuela González-Suárez, Sven Bacher, Jonathan M. Jeschke (2015): Intraspecific trait variation is correlated with establishment success of alien mammals. The American Naturalist, DOI: 10.1086/681105.

Bildunterschrift:
Die Körpergröße kann bei vielen Säugetierarten stark variieren: die obere Reihe zeigt Schädel des Kaninchens Oryctolagus cuniculus, die untere des Hasen Lepus europaeus. Gerade das mache sie in neuen Lebensräumen so erfolgreich, sagen Forscher in einer neuen Studie.

Kontakt:

Prof. Dr. Jonathan Jeschke
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und Freie Universität Berlin
Königin-Luise-Straße 1-3, DE-14195 Berlin
Tel.: +49 30 83871046
E-Mail: jeschkeigb-berlin.de und jeschkeigb-berlin.de

PD Dr. Sven Bacher
Universität Fribourg
Chemin du Musée 10, CH-1700 Fribourg
Tel.: +41 26 3008822
E-Mail: sven.bacherunifr.ch