Pressemitteilung | IZW | 08-06-2026

Renaturierung eines Ökosystems: Neue Gruppe von Przewalski-Pferden in die kasachische Steppe entlassen

Ende Mai 2026 machten fünf Przewalski-Pferde – ein Hengst und vier Stuten – aus Zuchtzentren in Europa ihre ersten Schritte in freier Wildbahn auf den weiten Ebenen der Region Altyn Dala in Zentralkasachstan.

Przewalski-Pferde vor der Auswilderung | Foto: Jack Mifflin

Dies war ein großer Schritt für die internationale Initiative, deren Ziel es ist, die Art in ihren ursprünglichen Lebensraum zurückzubringen. Vor ihrer Freilassung akklimatisierten sich die Pferde zwölf Monate lang im Wild Equid Reintroduction Center, wo sie von einem Team aus Wildtierärzten, Biologen und Tierpflegern beobachtet und betreut wurden. Zwei der Stuten wurden mit Satellitenhalsbändern ausgestattet, wodurch das Team verfolgen kann, wie gut sich die Pferde in ihrer neuen Heimat einleben.

Die fünf Przewalski-Pferde (Equus przewalskii) wurden am 25. Mai 2026 aus dem Wiederansiedlungszentrum Alibi in Zentralkasachstan in die Wildnis entlassen. Sie waren im Juni 2025 aus dem Wildnispark Zürich in der Schweiz und dem Hortobágy-Nationalpark in Ungarn nach Kasachstan gebracht worden. Ein Team aus Tierärzt:innen, Pfleger:innen und Feldexpert:innen begleitete im Laufe des vergangenen Jahres ihre Eingewöhnung an das raue lokale Klima. Die Gruppe hat erfolgreich die lokalen Winterbedingungen überstanden, gelernt im tiefen Schnee nach Futter zu graben und selbstständig natürliche Wasserquellen aufzuspüren. Dies ist das zweite Jahr in Folge, in dem das Team Przewalski-Pferde aus dem Wiederansiedlungszentrum freigelassen hat. Diese erneute erfolgreiche Aussiedlung ist eine solide Grundlage für die Ankunft weiterer Pferde im Rahmen des langfristigen Projekts.

Satellitenhalsbanddaten zeigen, wie sich die Pferde in ihrem neuen Zuhause einleben

Um die Gruppe in ihrem neuen Lebensraum und ihre Integration in ein 40.000 km² großes Netzwerk geschützter Korridore in der Altyn-Dala-Region zu überwachen, wurden zwei Stuten mit Satellitenhalsbändern ausgestattet. Mithilfe der von den Halsbändern ausgesandten Daten kann das Team vor Ort die Bewegungen der neuen Gruppe sicher verfolgen, ihre räumlichen Gewohnheiten untersuchen und die Auswirkungen ihrer Rückkehr auf das Steppen-Ökosystem messen, ohne die Tiere dabei zu stören. Eine vorläufige Analyse der Ortungsdaten ergab, dass sich die Auswilderungsgruppe noch immer in der Nähe des Auswilderungszentrums aufhält.

Zum Anlegen der Halsbänder wurden die Pferde durch das veterinärmedizinische Team in Narkose gelegt. Spezialisierte Kenntnisse in der Wildtieranästhesie und tiermedizinisches Fachwissen sind entscheidend für die Mission, Przewalski-Pferde wieder in die Steppe auszuwildern. Die erneute Auswilderung einer kleinen Gruppe von Przewalski-Pferden bringt das Team aus Wissenschaftler:innen und Naturschützer:innen ihrem Ziel näher, in Zentralkasachstan eine sich selbst erhaltende Population der weltweit letzten wilden Pferde zu etablieren. Als Schlüsselart unter den Pflanzenfressern ist deren Rückkehr in die Graslandschaften Zentralasiens ein wichtiges ökologisches Ereignis, das helfen könnte, ein gesundes Ökosystem wiederherzustellen. Zu den erwarteten positiven Effekten gehören die Wiederherstellung der einheimischen Vegetation, die Eindämmung der Wüstenbildung und die Verringerung der Intensität saisonaler Waldbrände durch ihre natürlichen Weidegewohnheiten.

Albert Salemgareyev – Association for the Conservation of Biodiversity of Kazakhstan (ACBK):
„Das Anlegen der Halsbänder ist nach einem Jahr der Eingewöhnung der letzte entscheidende Schritt vor der Freilassung. Alle Beteiligten waren erfreut und erleichtert, dass dieser tierärztliche Eingriff erfolgreich verlief. Es war wunderbar zu sehen, wie schnell sich die Stuten erholten und wie gut sie nach der Narkose aussahen. Sie standen zügig wieder auf und begannen kurz darauf, Gras zu fressen und Wasser zu trinken, was ein gutes Zeichen ist.“

Julia Bohner – Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW):
„Die Pferde sind äußerst scheu und halten Abstand zu Menschen, doch um ihnen Halsbänder anzulegen, mussten wir nah an sie herankommen. Zu diesem Zweck legten die Pfleger mehrere Tage lang Futter in die kleinere Gehegeabschnitte, um sie anzulocken. Schließlich hatten wir Glück und die Pferde kamen hinein. Dann konnten wir die Tore schließen, sie betäuben und mit dem Eingriff beginnen. Während der Narkose versorgten wir die Pferde mit Sauerstoff und intravenös mit Flüssigkeiten und überwachten sie während des gesamten Eingriffs genau. Gleichzeitig führten wir eine abschließende Gesundheitsuntersuchung durch: Wir nahmen Proben, untersuchten die Zähne, korrigierten bei Bedarf die Hufe, verabreichten Medikamente und legten die Satellitenhalsbänder an. Eine gute Vorbereitung und Teamarbeit sind unerlässlich, um die Narkosezeit so kurz wie möglich zu halten.“

Michael Brombacher – Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF):
„Vor rund 200 Jahren verschwanden die Przewalski-Pferde aus dieser Landschaft. Die Altyn Dala Conservation Initiative arbeitet gemeinsam mit ihren Partnern daran, dieses einzigartige Steppenökosystem zu schützen und wiederherzustellen. Dazu gehört auch, die großen Pflanzenfresser wie Przewalski-Pferde und Kulane in ihren ursprünglichen Lebensraum zurückzubringen. Wir dürfen nie vergessen, wie enorm die Kosten und Anstrengungen sind, um Arten zurückzubringen, die in freier Wildbahn ausgestorben sind. Die Natur zu schützen, bevor solche Verluste eintreten, ist immer kostengünstiger und effektiver, als zu versuchen, diese wieder rückgängig zu machen. Dennoch ist es die reine Freude, den Erfolg unserer langjährigen Mission mitzuerleben und zu sehen, wie Przewalski-Pferde – wieder einmal – ihre ersten Schritte in die Wildnis der Steppe machen.“

Dieses Wiederansiedlungsprogramm wird von einem internationalen Konsortium koordiniert, zu der der Prager Zoo, das Forestry and Wildlife Committee des Ministry of Ecology, Geology and Natural Resources der Republik Kasachstan, die Association for the Conservation of Biodiversity of Kazakhstan (ACBK), die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF), der Tiergarten Nürnberg, der Tierpark Berlin und der Hortobágy-Nationalpark gehören.

Das Management vor Ort, die tierärztliche Betreuung und die ökologische Überwachung werden von der Altyn Dala Conservation Initiative gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) durchgeführt. Die Altyn Dala Conservation Initiative wurde 2005 zum Schutz und zur Wiederherstellung der einzigartigen Steppenökosysteme Kasachstans gegründet, 2023 als „UN World Restoration Flagship“ anerkannt und 2024 mit dem Earthshot Prize ausgezeichnet. Das langfristige Ziel des Konsortiums ist es, bis zum Jahr 2029 insgesamt 40 bis 45 Wildpferde in die Turgai-Steppe in Zentralkasachstan zu entlassen.

Leibniz-Institute für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) im 
Forschungsverbund Berlin e.V.
Alfred-Kowalke-Str. 17, 10315 Berlin, Deutschland
@leibnizizw

Julia Bohner [english, deutsch]
Tierärztin
Telefon: +49(0)30 5168445
E-mail: bohnerizw-berlin.de

Jan Zwilling [english, deutsch]
Science communication
Telefon: +49(0)30 5168121
Mobil: +49(0)1512 6764603
E-mail: zwillingizw-berlin.de

Zoologische Gesellschaft Frankfurt von 1858 e.V. (ZGF)
Bernhard-Grzimek-Allee 1
60316 Frankfurt am Main, Deutschland
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Michael Brombacher [english, deutsch]
Leiter des Europareferats 
Telefon: +49 (0) 171- 9200224
E-mail: brombacherzgf.de

Anne Dohrmann [english, deutsch]
Projektmitarbeiterin, Altyn Dala Conservation Initiative
Telefon: +49 (0) 69 94344632
E-mail: anne.dohrmannfzs.org

Association for the Conservation of Biodiversity of Kazakhstan (ACBK)
Beibitshilik St. 18, Office 406
010000 Astana, Kazakhstan
@acbk.kz

Albert Salemgareyev [english, kazakh, russian]
Lead Specialist 
Telefon: +7 701 221 33 17
E-mail: albert.salemgareyev@acbk.kz

Marina Koshkina [english, kazakh, russian]
Strategic Partnership Coordinator for Altyn Dala Conservation Initiative
Telefon: +7 701 213 5890
E-mail: marina.koshkinaacbk.kz